Jean Paul Gaultier

Heute habe ich eine Frau mit drei Köpfen und sechs Rollschuhen gesehen, ein Männerballett ohne Haut – ganz in Adern und Venen – und filigrane Tänzerinnen in Taucherflossen. Alles Ideen von Jean Paul Gaultier, dem Pariser Meisterdesigner, der Madonna einst den Kegel-BH verpasste. Ein gutes halbes Jahr hatten die bewundernswerten Gewandmeisterinnen des Berliner Friedrichstadt-Palastes Zeit, den brodelnden Kreativausstoß Gaultiers in Kostüme zu verwandeln. Man beneidet sie nicht um diese Aufgabe. Es kam zu einer denkwürdigen deutsch-französischen Begegnung in der Schneiderei des Revuetheaters, die wir über ein halbes Jahr dokumentiert haben. Herausgekommen ist ein Film, der kaum Text braucht – nicht nur weil Gaultier ein Vielredner ist; hier sprechen die Bilder und manchmal auch die Mienen wirklich für sich. Unbedingt sehenswert. Übrigens auch das Ergebnis.

Am 2. Oktober um 17.30 Uhr auf Arte und ab dem 6. Oktober in der neuen Show „THE ONE Grand Show“ im Friedrichstadt-Palast in Berlin.

„Zombie Walks“

Wenn ich mich so umblicke, unter meinen heimkehrenden Kollegen, habe ich das Gefühl, dass Manchem der Übergang von den Sommerferien zurück in den Alltag sehr schwer fällt. Besonders unsere Yourope-Redaktion übt sich zur Zeit in ostentativer Realitätsflucht. Eine ganze Sendung hat sie dem Thema gewidmet. 30 Minuten denkwürdiges Fernsehen über erstaunliche Europäer, die ihrem Leben, ihrer Zeit und in manchmal gar gleich ihrer Gattung zu entfliehen versuchen. Die Harmloseren zelebrieren in einem schwedischen Wikingerdorf den rauen Alltag des 12. Jahrhunderts. Andere erwachsene Menschen eifern mit großer Ernsthaftigkeit auf sogenannten Furry- Conventions um das beste Stofftierkostüm. Aber der Hit unter den Realitätsflüchtigen ist dieses Jahr der Kult um die Untoten. Auf „Zombie Walks“ gehen nicht nur Fans des Serienhits „Walking Dead “ zu Tausenden auf Menschenjagd. Das alles ist also bei Yourope zu besichtigen und man fragt sich, ob das seltsame Treiben womöglich eine Reaktion auf die unübersichtliche Weltlage ist? Oder schlimmer: vielleicht bereits ihre Folge? Ist den Menschen die Realität zuviel geworden? Ich will nicht verschweigen, dass die Sendung ein bisschen besorgniserregend ist. Aber eben auch extrem unterhaltsam und deswegen sollten Sie sie nicht verpassen. 

Erstausstrahlung am 10. September um 14.00 Uhr auf Arte.

Eine himmlische Ruhe

Eine streng subjektive Auswahl von Tita von Hardenberg

Eine himmlische Ruhe legt sich über die Redaktion. Metropolis, Yourope, Tracks und der Kulturpalast gönnen sich eine Sommerpause, was zu meinem Erstaunen unter den Kollegen zu einer fluchtartigen Absetzbewegung in die Ferien führte. 

Gerade noch rechtzeitig vorm Exodus ist jedoch ein ganz besonderer Film fertig geworden, den ich mit Nachdruck empfehlen will: „Ausgetrocknet: Brasilien in Not“ heißt die außergewöhnliche Dokumentation unseres Reporters Antonio Cascais. Er ist kreuz und quer durch das Land gereist, weil ihm ein großes Paradoxon keine Ruhe ließ: Eines der wasserreichsten Länder der Welt vertrocknet langsam.
Warum? Und wer tut etwas dagegen?
Auf beide Fragen fand er Antworten. 

Ein Film, der zugleich ermutigt und verstört. Das gelingt nicht oft.
Den Replay finden Sie auf der Programmseite von 3sat.

(Erstausstrahlung am 27. Juli um 21:00 Uhr auf 3sat)