„Marokko – Die große Chance“

Als ich diese Woche unsere neueste Doku aus Nordafrika angesehen habe, habe ich alles erwartet, aber bestimmt keine positiven Neuigkeiten. Entsprechend groß war die Überraschung über das hoffnungsvolle Bild, das unsere Autorin Katrin Sandmann über den aufstrebenden Arbeitsmarkt in Marokko zeichnet. Weitgehend unbemerkt von der europäischen Öffentlichkeit hat König Mohammed VI. ein umfassendes Modernisierungsprogramm angestoßen, wie etwa die Ansiedlung der internationalen Luftfahrtindustrie und Maßnahmen gegen die erdrückend hohe Jugendarbeitslosigkeit. Sandmann spricht mit jungen Männern, für die das Exil in Europa jeglichen Reiz verloren hat. Sie sehen wieder Perspektiven im eigenen Land.

Good news are no news? Mitnichten. Diese Doku gibt Hoffnung und lässt einen plötzlich spüren, wie gut wir ein paar positive Nachrichten aus bestimmten Weltregionen gebrauchen können.

„Marokko – Die große Chance“ am Freitag, den 21. Oktober um 21:00 Uhr auf 3sat

Jean Paul Gaultier

Heute habe ich eine Frau mit drei Köpfen und sechs Rollschuhen gesehen, ein Männerballett ohne Haut – ganz in Adern und Venen – und filigrane Tänzerinnen in Taucherflossen. Alles Ideen von Jean Paul Gaultier, dem Pariser Meisterdesigner, der Madonna einst den Kegel-BH verpasste. Ein gutes halbes Jahr hatten die bewundernswerten Gewandmeisterinnen des Berliner Friedrichstadt-Palastes Zeit, den brodelnden Kreativausstoß Gaultiers in Kostüme zu verwandeln. Man beneidet sie nicht um diese Aufgabe. Es kam zu einer denkwürdigen deutsch-französischen Begegnung in der Schneiderei des Revuetheaters, die wir über ein halbes Jahr dokumentiert haben. Herausgekommen ist ein Film, der kaum Text braucht – nicht nur weil Gaultier ein Vielredner ist; hier sprechen die Bilder und manchmal auch die Mienen wirklich für sich. Unbedingt sehenswert. Übrigens auch das Ergebnis.

Am 2. Oktober um 17.30 Uhr auf Arte und ab dem 6. Oktober in der neuen Show „THE ONE Grand Show“ im Friedrichstadt-Palast in Berlin.

„Zombie Walks“

Wenn ich mich so umblicke, unter meinen heimkehrenden Kollegen, habe ich das Gefühl, dass Manchem der Übergang von den Sommerferien zurück in den Alltag sehr schwer fällt. Besonders unsere Yourope-Redaktion übt sich zur Zeit in ostentativer Realitätsflucht. Eine ganze Sendung hat sie dem Thema gewidmet. 30 Minuten denkwürdiges Fernsehen über erstaunliche Europäer, die ihrem Leben, ihrer Zeit und in manchmal gar gleich ihrer Gattung zu entfliehen versuchen. Die Harmloseren zelebrieren in einem schwedischen Wikingerdorf den rauen Alltag des 12. Jahrhunderts. Andere erwachsene Menschen eifern mit großer Ernsthaftigkeit auf sogenannten Furry- Conventions um das beste Stofftierkostüm. Aber der Hit unter den Realitätsflüchtigen ist dieses Jahr der Kult um die Untoten. Auf „Zombie Walks“ gehen nicht nur Fans des Serienhits „Walking Dead “ zu Tausenden auf Menschenjagd. Das alles ist also bei Yourope zu besichtigen und man fragt sich, ob das seltsame Treiben womöglich eine Reaktion auf die unübersichtliche Weltlage ist? Oder schlimmer: vielleicht bereits ihre Folge? Ist den Menschen die Realität zuviel geworden? Ich will nicht verschweigen, dass die Sendung ein bisschen besorgniserregend ist. Aber eben auch extrem unterhaltsam und deswegen sollten Sie sie nicht verpassen. 

Erstausstrahlung am 10. September um 14.00 Uhr auf Arte.

Eine himmlische Ruhe

Eine streng subjektive Auswahl von Tita von Hardenberg

Eine himmlische Ruhe legt sich über die Redaktion. Metropolis, Yourope, Tracks und der Kulturpalast gönnen sich eine Sommerpause, was zu meinem Erstaunen unter den Kollegen zu einer fluchtartigen Absetzbewegung in die Ferien führte. 

Gerade noch rechtzeitig vorm Exodus ist jedoch ein ganz besonderer Film fertig geworden, den ich mit Nachdruck empfehlen will: „Ausgetrocknet: Brasilien in Not“ heißt die außergewöhnliche Dokumentation unseres Reporters Antonio Cascais. Er ist kreuz und quer durch das Land gereist, weil ihm ein großes Paradoxon keine Ruhe ließ: Eines der wasserreichsten Länder der Welt vertrocknet langsam.
Warum? Und wer tut etwas dagegen?
Auf beide Fragen fand er Antworten. 

Ein Film, der zugleich ermutigt und verstört. Das gelingt nicht oft.
Den Replay finden Sie auf der Programmseite von 3sat.

(Erstausstrahlung am 27. Juli um 21:00 Uhr auf 3sat)

Highlight in eigener Sache

Heute gibt es ausnahmsweise ein Highlight in eigener Sache zu verkünden: am Wochenende durfte ich den Berliner Unternehmerinnenpreis (ausgeschrieben vom Wirtschaftssenat und der Investitionsbank Berlin) entgegennehmen, den wir mit Kobalt gewonnen haben.

Ich muss zugeben: das war nach fast zwanzigjähriger Firmengeschichte, mit durchaus auch stürmischen Zeiten, ein großer Freudenmoment. Vorher fand ich Preise generell überbewertet, etwas für Leute, die ganz viel Lob brauchen, für das, was sie tun. Seit dem 2. Juli habe ich überhaupt nichts mehr gegen offizielle Anerkennung. Sie hat durchaus ihren Sinn. Man kann seine Meinung ja mal ändern …

Zu guter Letzt noch ein Clip, den ich Ihnen ans Herz legen möchte: mein aktueller Lieblingsfilm aus dem Hause Kobalt: Die österreichischen Punkrocker Wanda haben für die Artesendung „Hauskonzert“ ein denkwürdiges Konzert in Maria-Grünewald, einer Einrichtung für behinderte Menschen, gegeben und sind da abgefeiert worden, wie wohl noch nie zuvor. Diese Produktion hat keinen der Mitwirkenden gleichgütig gelassen, am allerwenigsten die Band selbst.

Willkommen

Willkommen auf unserer neuen Kobalt Seite. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir die Alte behalten. Ich mochte den Sturzflug unserer sympathischen, wenn auch sinnfreien Möwe, aber ich konnte mich nicht durchsetzen. Vier Jahre ist die letzte Rundum-Erneuerung nun schon her, eine Ewigkeit in den Augen meiner Mitstreiter, Jahrhunderte in der Internet-Zeitrechnung. Auf jeden […]